zum Inhalt springen

Neuer Professor für Verlagsmanagement

Prof. Dr. Alexander Grossmann (45) übernahm zum 1. Juli 2013 die Professur „Verlagsmanagement und Projektmanagement in Medienunternehmen (Buchhandel und Verlage)“ an der Fakultät Medien. Vorher arbeitete er zwölf Jahre in verschiedenen internationalen Fachverlagen und war seit 2009 Vice President Publishing und Mitglied der Geschäftsführung im Verlag Walter de Gruyter, Berlin.

25.07.2013

Foto: Alexander Grossmann

Sie haben bereits im Sommersemester an der HTWK Leipzig gelehrt. Können Sie einen ersten Eindruck geben? Was gefällt Ihnen an der Fakultät Medien?

Im Rahmen der Veranstaltung „Verlagsmanagement“, die ich seit März als Vorlesung und Seminar gehalten habe, konnte ich sehr spannende und interessante Erfahrungen sammeln. Sehr gut gefallen hat mir auch die offene Form der Kommunikation zwischen Studierenden und Dozenten, die mir geholfen hat, gezielt auf Fragestellungen einzugehen. Beeindruckt war ich von der sehr praxisorientierten Aufstellung der Fakultät Medien und der Kompetenz meiner Kollegen dort, so dass ich überzeugt bin, dass mir die gemeinsame, zukünftige Arbeit viel Spaß machen wird.

Was beinhalten Ihre Lehrveranstaltungen?

Neben dem Verlagsmanagement werden die Schwerpunkte im Bereich der Verlagsorganisation und dem Projektmanagement liegen, das einen wichtigen Raum in der Ausbildung einnimmt und hohe Praxisrelevanz hat. Wie wichtig vor allem auch eine gründliche Kenntnis des Projektmanagements ist, habe ich manchmal in meinen früheren Tätigkeiten erfahren, wo oft mit großem Aufwand Defizite bei Mitarbeitern in diesem Bereich nachträglich aufgearbeitet werden mussten.

Was sind Ihre persönlichen Schwerpunkte?

Das Publizieren von Information im Medienbereich hat sich in den letzten 10 bis 15 Jahren stark verändert. Diese Entwicklung ist aber noch nicht abgeschlossen, sondern wird sich noch weiter fortsetzen. Daher ist es wichtig, dass wir jetzt an der Hochschule diejenigen ausbilden, die in drei oder fünf Jahren mit diesen neuen Formen zur Vermittlung von Information und Wissen arbeiten sollen. Gerade die Verlagsbranche ist von einem Umwandlungsprozess betroffen, der gerade erst begonnen hat. Wir haben in den vergangenen Jahren Beispiele kennengelernt, in denen etablierte Verlage und Geschäftsmodelle praktisch aufgelöst wurden, wenn man an das Beispiel der Lexika oder Wörterbücher denkt. Derzeit kommt nun das Segment Schulbuch und Fachbuch unter immer stärkeren Druck der neuen Medien und veränderten Formen der Rezeption und Interaktion der Kunden. Hier können und müssen wir neue Ansätze entwickeln und auch praktisch umsetzen.

Erzählen Sie kurz Ihren Werdegang!

Nachdem ich unentschlossen war, Rechtswissenschaften, Physik oder Informatik zu studieren und ich kurzerhand in allen drei Bereichen angefangen hatte, die Vorlesungen zu besuchen, habe ich mich für das Studium der Physik entschlossen. Nach dem Diplom 1993 an der RWTH Aachen bekam ich die Möglichkeit, am Forschungszentrum Jülich eine Promotion zu absolvieren. 1996 wechselte ich dann nach München und arbeitete am Max-Planck-Institut für Quantenoptik, zusammen mit dem Projektleiter Prof. Hänsch und einer kleinen Gruppe von Physikern aus Deutschland, Ungarn, China und Frankreich. Besonders dankbar war ich für die Möglichkeit, mit und in einem international aufgestellten Team zu arbeiten. Schließlich wechselte ich nach Tübingen, um zusammen mit dem neu berufenen Lehrstuhlinhaber die Fachrichtung Quantenoptik und Laserphysik aufzubauen. In Tübingen konnte ich im Rahmen der Vertretung einer C3-Professur weitere Lehrerfahrungen sammeln.

Sie haben Physik studiert. Wie sind Sie zur Verlagsbranche gekommen?

Als ich 2001 das Angebot bekam, als Verlagsleiter zu Wiley-VCH nach Berlin zu gehen, habe ich sehr lange überlegt, bis ich das Angebot schließlich annahm. Ausschlaggebend war, dass ich bereits etwas Erfahrung im Bereich des Verlages sammeln konnte, sonst hätte ich diese Entscheidung niemals getroffen.

Im Jahr 2000 haben Sie einen eigenen kleinen Verlag für Studienliteratur gegründet. Was wird dort herausgegeben?

Die Idee, einen Verlag zu gründen, resultierte aus meiner Zeit als Dozent. Das früher als Buch verlegte Vorlesungsskript zu der von mir übernommen Physik-Vorlesung wollte ich verfügbar halten und weiter entwickeln, nachdem der Dozent in Ruhestand gegangen war. Ich überlegte, wie man das Werk mindestens in derselben Ausstattung fortführen kann und eignete mir das Wissen über das Verlagsgeschäft anhand der  wenigen existierenden Bücher an. Ich setzte das Buch selbst, entwarf das Cover und den Umschlag, ließ es drucken und machte ein zielgruppenorientiertes Marketing mit selbst entworfenen Werbemitteln und Anschreiben. Durch die führenden Fachbuchketten und Großhändler waren die Werke schließlich in ganz Deutschland im Buchhandel erhältlich. Im Laufe eines Jahres erschienen so nicht nur das Vorlesungsskript als „richtiges“ Buch, sondern mehr als zehn Titel im Bereich Physik und Medizin, sowohl als gedrucktes Buch, als auch als HTML-basiertes Lernprogramm auf CD-ROM. Irgendwann nahm der Aufwand Überhand, da ich alles alleine abwickeln musste. Daher war es der richtige  Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen, zu 100% in die Verlagsbranche zu gehen – oder nicht.

Sie waren seit 2001 in den Verlagen Wiley-VCH, Wiley-Blackwell, Springer und seit 2009 als Vice President Publishing und Mitglied der Geschäftsführung im Verlag Walter de Gruyter, Berlin, tätig. Welche Erfahrungen aus der Praxis können Sie in die Lehre einfließen lassen?

Zunächst war ich etwas ernüchtert, dass auch die „Großen“ der Branche nur „mit Wasser kochen“. Nachdem ich für den deutschen Standort in einem bestimmten Fachbereich verantwortlich war, konnte ich dafür später die Verantwortung weltweit übernehmen. Als Publishing Director für das internationale Physik-Programm war ich dadurch in strategische Entwicklungen und Entscheidungen des Verlages einbezogen. Das war eine wichtige Erfahrung, von der ich sehr profitiert habe. Bei Springer war ich als Geschäftsführer des Wiener Standortes dann auch für das gesamte fachliche Portfolio eines Wissenschaftsverlages verantwortlich. Dort wurde meine Auffassung bestätigt, dass die Abläufe und Strukturen im Verlag oft sehr ähnlich sind und nicht primär vom fachlichen Thema des Produktes abhängen. Wichtig war es auch, die Differenzierungen nach Produktarten kennen gelernt zu haben: ein Fachbuch zum Beispiel „funktioniert“ im Vertrieb anders als ein Lehrbuch. Außerdem habe ich erfahren, welche vielschichtigen Folgen es für einen Verlag haben kann, wenn man seine Zielgruppe nicht richtig einschätzt oder anspricht. Eine Erfahrung aus allen Stationen bisher: man muss frühzeitig neue Entwicklungen aktiv begleiten oder noch besser, mit gestalten, statt zu warten, dass es andere tun oder der Markt schließlich die Richtung vorgibt.

Welche Herausforderungen sehen Sie in Ihrer neuen Aufgabe als Professor?

Es wird wichtig sein, immer die Balance zwischen Ausbildung und Praxis zu finden, also zwischen solider Vermittlung eines theoretischen Rüstzeugs für die Studierenden und praxisnaher, innovativer Arbeit an konkreten Themen und Projekten.

Gibt es derzeit ein Forschungsprojekt, an dem Sie beteiligt sind? Wozu würden Sie gern forschen oder Untersuchungen durchführen?

Ich beginne gerade mit einem kleinen Team extern an der Entwicklung neuer Formen der Interaktion zwischen Wissenschaftlern zu arbeiten, wobei wir wesentliche Elemente des klassischen Publizierens im Forschungsbereich aufnehmen und quasi in das 21. Jahrhundert übertragen. Erfahrungen aus der Nutzung von sozialen Netzwerken lassen sich dabei wunderbar mit den etablierten Formen des wissenschaftlichen Publizierens verbinden. Ich habe lange selbst aktiv in der Forschung und im Verlag gearbeitet, um die Bedürfnisse der Forscher einschätzen zu können und bin überzeugt, dass dieses Modell Relevanz für die Zukunft aufweist. Ob es funktioniert oder nicht, entscheidet natürlich am Ende der Nutzer. Zumindest wird man aus diesem Projekt Rückschlüsse ziehen können, von denen zukünftige Verlage profitieren können.

Warum sind Sie gerade nach Leipzig gekommen?

Ich halte die HTWK für eine der führenden Standorte im deutschsprachigen Raum, was die Forschung und Ausbildung im Bereich von Verlagsorganisation im weiteren Sinne angeht. Neben dieser Tatsache freue ich mich auch wieder nach Sachsen zurückzukehren, wo ein Teil meiner Familie über Generationen gelebt hat, zuletzt in Dresden – und eben in Leipzig.

Wenn Sie mal gerade nicht arbeiten, womit verbringen Sie Ihre Freizeit am liebsten?

Auch wenn die Gelegenheiten dazu immer seltener werden: ich lese gerne Fachbücher aus verschiedenen Bereichen, die mich interessieren und habe – ganz klassisch – eine Bibliothek von mittlerweile bestimmt 10.000 Titeln zuhause. Zusammen mit meinen Kindern und meiner Frau spiele ich ab und zu Tennis. Als Fußballinteressierter freue ich mich, einmal die Woche für anderthalb Stunden auch selbst Fußball zu spielen. Sicher werde ich die Angebote des Hochschulsports in diesem Bereich an der HTWK gerne nutzen, wenn das möglich ist.

Prof. Dr. Grossmann, herzlichen Dank für das Gespräch und einen guten Start an der Fakultät Medien!

Interview: Claudia Schellenberger

Logo: Member of European University Association   Logo: Zertifikat seit 2010 audit familiengerechte hochschule   Logo: Mitglied des Best Practice-Clubs Familie in der Hochschule   Logo: Deutschland STIPENDIUM wir sind dabei   Logo: WELTOFFENE HOCHSCHULEN – GEGEN FREMDENFEINDLICHKEIT   Logo: Metropolregion Mitteldeutschland