Schnuppertag Drucktechnik

„Dass Drucken so vielfältig ist, hätte ich nicht gedacht“

So das Resümee der Teilnehmer am Schnuppertag, den der Studiengang Drucktechnik am Sonnabend, 03.03.2018, für Studieninteressierte veranstaltete.
Die Teilnehmer, die der Einladung gefolgt waren, sind überwiegend Gymnasiasten, die vor der Berufswahl stehen, aber auch Berufstätige, die nach beruflicher Veränderung streben. Was sie während der Veranstaltung erlebten, hat überzeugt und den Horizont für das Fachgebiet mit Tradition, das neue Wege einschlägt und neue Branchen erobert, erheblich erweitert.

In seinen einleitenden Worten griff Prof. Lutz Engisch das Motto des Studiengangs „Drucken ist Vielfalt, Drucken ist Mehrwert“ auf und sprach verschiedene Branchen an, in denen Drucken mittlerweise unersetzlich ist. Das betrifft zum Beispiel die Automobilbranche, wo unter anderem Armaturenbretter und Heizungen gedruckt werden, den Dekordruck mit einer visuell und haptisch realitätsnahen Wiedergabe von Materialien wie Holz oder Stein sowie den medizinischen Bereich, wo Medikamente direkt auf Verbandsmaterial oder Prothesen gedruckt ist, um direkt an der Wundstelle zu wirken. Es sei auch bereits gelungen, lebende Zellen zu verdrucken und damit beispielsweise Hauttransplantationen zu unterstützen.

Prof. Holger Zellmer, Studiendekan, stellte in seiner Schnuppervorlesung den Industriedruck in den Mittelpunkt und Funktionalitäten jenseits von Text- und Bilddarstellungen vor. Farbe ist nicht mehr die wichtigste Eigenschaft, wie das über 500 Jahre lang der Fall war. Farbstoffe werden heute durch Substanzen ersetzt, die bestimmte Funktionen innehaben und beispielsweise als elektrische Leiter, Halbleiter oder Isolatoren fungieren oder als Indikatoren bestimmte Umgebungsveränderungen anzeigen.
Nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums ist ein Lebensmittel nicht sofort ungenießbar. Hier zeigen auf das Etikett gedruckte Indikatoren den Verderb durch langsamen Farbumschlag an. Thermisch aktive Farbstoffe machen eine Unterbrechung der Kühlkette kenntlich oder signalisieren die optimale Verzehrtemperatur eines Lebensmittels. In Kombination mit gedruckten Heizelementen auf den Schrumpffolien von Batterien kann der Ladezustand kenntlich gemacht werden. Gedruckte Solarzellen sind gegenüber Siliziumzellen preiswerter und funktionieren auch bei wolkigem Himmel. Für Havarien in Gebäuden oder Tunneln sind definiert nachleuchtende Hinweisschilder erforderlich, für die spezielle phosphoreszierende Substanzen verdruckt werden.
Die Liste der Beispiel ließe sich noch beliebig verlängern.

Der Workshop führte die Teilnehmer in einige der gut ausgestatteten Labore und Maschinensäle der Fakultät. An verschiedenen Stationen wurden ausgewählte Aspekte der Drucktechnik angesprochen, demonstriert und von den Teilnehmern aktiv umgesetzt.

So wurde in der Druckvorstufe deutlich, dass vor dem Druck eine Datenaufbereitung erforderlich ist, was für die Übertragung von Text und Bild ebenso wie für funktionelle Schichten Voraussetzung ist. In eine vorbereitete Datei setzten die Teilnehmer einen individuellen Text, der später in der Digitaldruckmaschine gedruckt wurde.
Im Drucksaal wurde verdeutlicht, wie sich ein farbiges Bild zusammensetzt, was Rasterpunkte sind und mit welchem Druckverfahren sich strukturierte Materialoberflächen optimal bedrucken lassen.
Wie metallische Effekte mit oder ohne gleichzeitiger haptischer Wirkung übertragen werden, wurde bei der Umsetzung verschiedener Veredelungsverfahren deutlich. Damit kann ein Druckprodukt visuell und haptisch aufgewertet werden. Reliefprägungen für Brailleschrift dienen aber auch der Informationsübertragung und sind beispielsweise auf Pharmaverpackungen gesetzlich vorgeschrieben.
Verarbeitungstechnik, die dem Druckvorgang vor- oder nachgelagert ist, führt in der Regel erst zur Gebrauchsfähigkeit eines Erzeugnisses, was beim Schneiden der einzelnen Nutzen aus dem digital gedruckten Bogen deutlich wurde wie auch beim Falten und Kleben einer Schachtel.

Er hatte nicht erwartet, so viele Verfahren kennenzulernen und Labore sehen zu können, äußerte ein Gast am Ende der Veranstaltung. Ein anderer begrüßte diese praxisnahe Veranstaltung, weil weder Webseite noch Prospekt die Drucktechnik so hautnah vermitteln können. Gern hätten die Teilnehmer noch mehr selbst gemacht, doch das ließ der zeitliche Rahmen nicht zu. Auf jeden Fall ist ein Funke übergesprungen, so die Meinung der Veranstalter.

Wer den Schnuppertag in diesem Jahr verpasst hat, kann sich über den Studiengang Drucktechnik auch hier informieren: 

Auch 2019 wird es einen Schnuppertag Drucktechnik geben:
am Sonnabend, 30. März 2019.

Schnuppertag 2017 – ein Rückblick